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Posts mit dem Label "Gedicht" werden angezeigt.

Laternenträume

Laternentraum Wenn ich tot bin, möchte ich immerhin so eine Laterne sein, und die müsste vor deiner Türe sein und den fahlen Abend überstrahlen. Oder am Hafen, wo die großen Dampfer schlafen und wo die Mädchen lachen, würde ich wachen an einem schmalen schmutzigen Fleet und dem zublinzeln, der einsam geht. In einer engen Gasse möcht' ich hängen als rote Blechlaterne vor einer Taverne - und in Gedanken und im Nachtwind schwanken zu ihren Gesängen. Oder so eine sein, die ein Kind mit großen Augen ansteckt, wenn es erschreckt entdeckt, dass es allein ist und weil der Wind so johlt an den Fensterluken - und die Träume draußen spuken. Ja, ich möchte immerhin, wenn ich tot bin, so eine Laterne sein, die nachts ganz allein, wenn alles schläft auf der Welt, sich mit dem Mond unterhält natürlich per Du. (Wolfgang Borchert) Lantern dream When I'm dead, I would like to anyway be such a lantern, and it should be in front of your door and the pale one Outshine evening. Or...

Angst und Zweifel

Angst und Zweifel von Erich Fried Zweifle nicht an dem der dir sagt er hat Angst aber hab Angst vor dem der dir sagt er kenne keine Zweifel

Sich lieben mit immer besseren Waffen

Durcheinander Erich Fried Sich lieben in einer Zeit in der Menschen einander töten mit immer besseren Waffen und einander verhungern lassen Und wissen das man wenig dagegen tun kann und versuchen nicht stumpf zu werden Und doch sich lieben Sich lieben und einander verhungern lassen Sich lieben und wissen dass man wenig dagegen tun kann Sich lieben und versuchen nicht stumpf zu werden Sich lieben und mit der Zeit  einander töten Und doch sich lieben mit immer besseren Waffen

Von Westende nach Ostende und wieder zurück

Strauch mit herzförmigen Blättern (Tanka nach altjapanischer Art) von Erich Fried Sommerregen warm: Wenn ein schwerer Tropfen fällt bebt das ganze Blatt.  So bebt jedes Mal mein Herz wenn dein Name auf es fällt.  

Blick der Kreatur

Du streichelst den großen guten Hund. Durchdringe, sprachst du, seinen Augengrund Und deute mir die ungeheure Trauer, Die uns umfängt mit leiderstarrter Dauer. Wenn Engel tief in Menschenaugen schaun, - Gab ich zur Antwort, - unter edlen Brau'n, So werden sie bestürzt dasselbe fragen Und weg sich wenden, weil sie's nicht ertragen. Quelle:"F.Werfel - Gedichte aus den Jahren 1908-1945"; Fischer Verlag 1993

Ich staune, daß die rote Farbe rot ist

Ich staune Ich staune, daß die rote Farbe rot ist, Ich staune, daß die gelbe gelb erglimmt. Ich staune, daß, was ringsum lebt, nicht tot ist, Und daß, was tot ist, nicht ins Leben stimmt. Ich staune, daß der Tag alltäglich nachtet, Wenn ihm das Licht verwest zur Dämmerung. Ich staune, daß frühmorgens überfrachtet Von Sonnenglück, ein neuer kommt in Schwung. Ich staune, daß durch alle Lebenssprossen Das Männ- und Weibliche geschieden bleibt, Und diese Zwieheit, niemals ausgenossen, Als Wonne unsre Herzensfluten treibt. Mein Staunen ist kein Forschen nach dem Sinn. Mein Staunen ist des Sinnes selbst der Sinn. Nur durch Erstaunung werd ich meiner inne. Ich staune, daß ich staune, daß ich bin Quelle:"F.Werfel - Gedichte aus den Jahren 1908-1945"; Fischer Verlag 1993

Wo kommt meine Liebe her?... Tag Eins der Franz Werfel Woche.

Wo kommt meine Liebe her? Wo denn wogt das unsichtbare Meer, Draus sich alle Tränenquellen sammeln? Wolken wandern. Erst Tropfen stammeln, Hochgeheime Regen niederfahren, Und das innere Fließen schwindet nie... Kreislauf, heiliger, der Sympathie, Sei gesegnet, der du Leben schenkst, Die Vertrockneten mit Tränen tränkst, Und den Durst uns stillst, den einzig unstillbaren! Quelle:"F.Werfel - Gedichte aus den Jahren 1908-1945"; Fischer Verlag 1993

Pilze sammeln bei Nacht

Wir planen den Aufbruch Unter regennasser Erde Wir gehen Pilze sammeln bei Nacht Du lagerst auf meinem Weg Wir scheuchen Nachtscharen auf, Wir gehen Pilze sammeln bei Nacht Verstreu´ mich in die Welt, Lass dich auf mir beruhen Wir gehen Pilze sammeln bei Nacht Drei Sekunden zwischen Deinen Lippen und mir Wir gehen Pilze sammeln bei Nacht Und dann neun Minuten Pause Von der Zivilisation Wir gehen Pilze sammeln bei Nacht (Quelle: "Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt" 2004 / dtv; S.105 "Pilze sammeln bei Nacht" von Alex Dreppec )