Laternentraum
Wenn ich tot bin,
möchte ich immerhin
so eine Laterne sein,
und die müsste vor deiner Türe sein
und den fahlen
Abend überstrahlen.
Oder am Hafen,
wo die großen Dampfer schlafen
und wo die Mädchen lachen,
würde ich wachen
an einem schmalen schmutzigen Fleet
und dem zublinzeln, der einsam geht.
In einer engen
Gasse möcht' ich hängen
als rote Blechlaterne
vor einer Taverne -
und in Gedanken
und im Nachtwind schwanken
zu ihren Gesängen.
Oder so eine sein, die ein Kind
mit großen Augen ansteckt,
wenn es erschreckt entdeckt,
dass es allein ist und weil der Wind
so johlt an den Fensterluken -
und die Träume draußen spuken.
Ja, ich möchte immerhin,
wenn ich tot bin,
so eine Laterne sein,
die nachts ganz allein,
wenn alles schläft auf der Welt,
sich mit dem Mond unterhält natürlich
per Du.
(Wolfgang Borchert)
Lantern dream
When I'm dead,
I would like to anyway
be such a lantern,
and it should be in front of your door
and the pale one
Outshine evening.
Or at the harbor,
where the big steamers sleep
and where the girls laugh,
I would wake up
on a narrow, dirty river
and wink at the one who walks alone.
In a narrow one
I would like to hang in the alley
as a red tin lantern
in front of a tavern -
and in thoughts
and sway in the night wind
to their songs.
Or be someone like that, a child
infected with big eyes,
when it is discovered in shock,
that it is alone and because the wind
so hoot at the window hatches -
and the dreams outside haunt.
Yes, I would like to,
when I'm dead,
be such a lantern,
who are all alone at night,
when everything in the world is asleep,
talks to the moon, of course
on a first name basis.
(Author: Wolfgang Borchert) (translation by google)
Ich bin der Engel der Verzweiflung. Mit meinen Händen teile ich den Rausch aus, die Betäubung, das Vergessen, Lust und Qual der Leiber. Meine Rede ist das Schweigen, mein Gesang der Schrei. Im Schatten meiner Flügel wohnt der Schrecken. Meine Hoffnung ist der letzte Atem. Meine Hoffnung ist die erste Schlacht. Ich bin das Messer mit dem der Tote seinen Sarg aufsprengt. Ich bin der sein wird. Mein Flug ist der Aufstand, mein Himmel der Abgrund von morgen. Quelle: Heiner Müller "Werke 1 / Die Gedichte"; Suhrkamp Verlag



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